| Markus - Evangelium 017 | Lugar/Ort:Aldea Protestante
Fecha/Datum:10/05/1962 | Otros Lugares/Weitere Predigtorte:
| | Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst | | Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Markus 2, 13 - 17 (I) | | |
| Skopus: Berufung des Levi | | Markus - Evangelium 17 - 2, 13 - 17 (I) "Jesus ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm, und er lehrte sie. Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir! Und der stand auf und folgte ihm. Und als er in seinem Hause zu Tisch saß, setzten sich viele Zöllner und Sünder mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch; denn viele gab es, die ihm folgten. Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, daß er mit den Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Warum ißt er mit den Zöllnern und Sündern? Als das Jesus hörte, sagte er zu ihnen: Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten."
Es gehörte wohl zur besonderen Gewohnheit Jesu, daß er sich oft am See Genezareth, am sogenannten Galiläischen Meere aufhält, um dort die Botschaft seines Vaters im Himmel zu verkündigen. Auch in unserem heutigen Text sieht ihn der Evangelist dort inmitten einer großen Schar von Menschen. Es muß schon wirklich, wie man allgemein zu sagen pflegt, "alles" auf den Beinen gewesen sein. Entweder auf dem Rückweg von dort oder sogar dort am Meer sieht er einen Zöllner bei der Arbeit. Ein Zöllner ist ein von den den Frommen der damaligen Zeit verachteter Mann. Warum? Als ein Angehöriger des Volkes Israels steht er im Dienste der Heiden, der römischen Besatzungsmacht und solch ein Angehöriger, der sich mit den Heiden einließ, galt als unrein. Er hatte keinen Zutritt zum Tempel, zum Hause Gottes. Dazu kam noch ein anderes: Solch ein Zöllner war nach unseren heutigen Begriffen ein Steuereintreiber. Er saß am See Genezareth und kassierte von jedem Fischer für jeden gefangenen Fisch eine bestimmte Summe Geldes. Sie saßen an den wichtigsten Punkten der Hauptstraßen und forderten eine Gebühr für die Benutzung der Straße. Für alles und jedes mußte Zoll, mußten Steuern bezahlt werden. Der Kaiser in Rom wußte schon, wie er aus den unterjochten Völkern das Geld herauspressen konnte. Dazu benutzte er sogar Menschen der unterjochten Völker, hier eben Angehörige des Volkes Israel. Um Menschen für diese Arbeit bereit und willig zu machen, ließen die Römer ihnen von den eingenommeneen Steuern einen großen Gewinn. Zusätzlich hatten die Zöllner noch vielerlei andere Möglichkeiten, von den Leuten mehr Steuern einzufordern, als der Kaiser in Rom angeordnet hatte -Wer war schon in der Lage, das nachzukontrollieren?!- Das zusätzliche Geld wanderte natürlich auch in ihre eigene Tasche. So waren diese Zöllner oder Steuereinnehmer, neben der Tatsache, daß sie sich mit Heiden einließen, auch noch als Gauner und Betrüger verschrieen, durchaus mit Recht verschrieen. Solch einen Mann traf hier in unserer Geschichte Jesus bei der Arbeit. Sehr wahrscheinlich bei der Einkassierung der Steuergelder für die im See Genezareth gefangenen Fische. Wie heißt der Zöllner? "Levi, der Sohn des Alphäus." Einige alte Handschriften des Markus - Evangeliums haben hier nicht den Namen Levi, sondern Jakobus, wohl deshalb, weil wir später bei der Aufzählung der Jünger nie mehr von Levi hören, sondern nur von einem anderen Sohn des Alphäus, der Jakobus heißt. Ja, im Matthäus-Evangelium wird uns auch die gleiche Geschichte berichtet, aber dort gibt es weder Levi, noch Jakobus, sondern Matthäus. Wir können sicherlich annehmen, daß der Name Levi mit Matthäus identisch ist, mit Matthäus, den wir bei der Aufzählung der Jünger finden, und der später das Matthäus-Evangelium geschrieben hat. Wie können wir diese Verwechslung der Namen verstehen oder erklären? Vielleicht so, daß wir uns vorstellen, daß sich jemand beim Weitererzählen dieser Geschichte damals ganz einfach vertan hat, oder auch der, der zugehört hat, hat sich verhört. Das Matthäus-Evangelium wird uns wohl am besten den Namen überliefert haben, denn er. der das Evangelium geschrieben hat, ist derselbe, den Jesus in unserer Geschichte vom Zoll weggerufen hat und der muß es ja wissen, wie er selbst heißt. Was sagt Jesus in unserer Geschichte nun zu Levi, der in Wirklichkeit Matthäus heißt und gerade bei der Arbeit ist, für den heidnischen Kaiser in Rom den Kindern Gottes das Geld aus der Tasche zu ziehen, der auch dabei ist, viel Geld für sich selbst, in die eigene Tasche wandern zu lassen? Jesus sagt zu Levi: "Folge mir nach! " Machen wir es uns einmal in einem rechten Sinne klar, was das, wenn er gehorcht, für ihn bedeutet? Er gibt einmal in einer normalen Weise seinen Lebensberuf auf. Seine Lebensexistenz ist zerstört. Und wie wir schon sahen, nicht nur seine Lebensexistens, sein Lebens-Minimum, sondern sogar den Beruf gibt auf, der ihm große Reichtümer einbringt. Und was tauscht er dagegen ein? Gehorcht er, folgt er diesem Jesus nach, verliert er alles und geht, rein menschlich gesehen, in eine ungewisse Zukunft hinein. Wie sieht die Lebensexistenz Jesu aus, in die Levi mit hineingenommen werden und an der er teilhaben soll? Jesus sagt es einmal so: "Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester, aber des Menschensohn hat nicht, da er sein Haupt hinlege." Jeder müßte es sich schon reiflich überlegen, wenn er selbst vor solche Entscheidungen gestellt wird, was er tun soll. Aber was wird uns berichtet? Auf das Wort Jesu hin, verläßt Levi seinen Zöllnerposten, seinen Lebensberuf, seine gute Geldeinnahmequelle, allerdings auch sein bisheriges Leben mit allen Gaunereien und Betrügereien und FOLGT JESUS NACH. Es heißt hier: "Und er stand auf und folgte ihm nach." Auch hier müssen wir es klar aussprechen, was hier geschieht, geschieht gegen alle menschliche Vernunft, gegen jede natürliche Einsicht. Wir möchten ihm am liebsten zurufen: Überleg es dir doch wenigstens noch einmal, ehe du das wirklich tust, was da von dir verlangt wird. Wer so blind ins Verderben rennt, bei dem muß doch im Kopf etwas nicht in Ordnung sein. Das, was wir da gesagt haben, muß sich eigentlich jeder Mensch auch heute noch sagen, der es mit seinem Glauben an Jesus Christus ernst meint. Die Konsequenz der Nachfolge Jesu, die Konsequenz eines wirklichen Glaubens an Jesus Christus ist so radikal, daß der, der das tut, entweder total verrückt ist oder daß da etwas geschieht, was für uns Menschen unverständlich ist, daß nämlich Gott selbst in das Leben eines Menschen eingreift. So ist das auch in unserer Geschichte. Entweder ist der Zöllner Levi wirklich ein verrückter Mensch, der nicht alles beisammen hat oder es ist ein Wunder geschehen, nämlich das Wunder, daß Gott selbst in das Leben dieses Menschen eingegriffen und ihn völlig verändert und umgekrempelt hat. Aber dann ist der, der da vor ihm steht und ihn ruft, Gott selbst, Gottes Sohn. Indem Levi auf das Wort Jesu gegen alle Vernunft gehorcht und ihm nachfolgt, erweist sich Jesus als der Sohn Gottes, der in der Vollmacht seines Vaters im Himmel handelt. Diese Begegnung Jesu mit Levi hat aber noch eine andere Seite: Was nimmt Jesus nicht alles auf sich dadurch, daß er einen Zöllner zu sich ruft und ihn zu seinem Jünger macht? Denken wir daran, Levi, ein Zöllner, ist ein Mensch, der wegen seines Umgangs mit den Heiden ein unreiner Mensch ist, der nicht einmal den Tempel, das Gottes Haus, betreten darf, der nicht am Gottesdienst teilnehmen kann. Dazu zählt er als Zöllner zu den moralisch schlechten Menschen wegen seiner Gaunereien und Betrügereien in seinem Beruf. Jesus wird sich von nun an in der Gesellschaft eines solchen Menschen befinden. Müssen die Frommen der damaligen Zeit nicht daran zweifeln, daß er ein besonderer Mensch sei, ein Prophet etwa oder der Messias oder sogar der Sohn Gottes? Ein Frommer hat doch keine Gemeinschaft mit einem Unreinen, mit einem Gesetzesübertreter, mit einem Gauner und Betrüger. Und Jesus ruft sogar solch einen Menschen zu sich und nimmt ihn als seinen Jünger an. Er riskiert es, dadurch, daß er von den Frommen der damaligen Zeit verachtet und verlacht wird, in einer Reihe gesehen wird mit den Unreinen, Gottlosen und Gesetzesübertretern. Muß diese Tatsache, dieses Handeln Jesu, nicht zu einer Auseinandersetzung mit den Frommen der damaligen Zeit führen und mit einer Katastrophe enden? Aber doch liegt trotzdem über dieser Geschichte ein heller und leuchtender Glanz, der darin liegt, daß hier sichtbar wird: Durch Jesus Christus ist Gott allen Menschen gut, nicht nur den sogenannten guten oder frommen Menschen, sondern auch den Unreinen und Gaunern und Betrügern, den bösen und schlechten Menschen. Gott neigt sich zu allen Menschen. Durch Jesus Christus ist Gott auch uns gut, dir und mir.
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