| Bergpredigt (18) | Lugar/Ort:La Providencia
Fecha/Datum:12/03/1966 | Otros Lugares/Weitere Predigtorte: Aldea Protestante, 6-3-1966 Camarero/Puiggari, 19-6-1966 Meroú, 26-6-1966 Grabschental, 8-2-1970
| | Año Eclesiástico/Kirchenjahr: | | Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 5,38-42 | | |
| Skopus: Gib dem, der dich bittet | | Bergpredigt (18) - Matthäus, 5, 38 - 42 "Jesus Christus spricht: Ihr habt gehört, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Übel; sondern, so dir jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar. Und so jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel. Und so dich jemand nötigt eine Meile, so gehe mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht von dem, der dir abborgen will."
In der alten Zeit galt als der Maßstab des menschlichen Miteinanders der Grundsatz: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Damit sollte ausgedrückt werden: Der Schaden, der einem Menschen zugefügt wurde, muß ihm in gleicher Weise ersetzt werden, das Leid, das einem anderen Menschen an seinem Körper zugefügt wurde, wurde dadurch vergolten, das der Schuldige das gleiche Leid an seinem Körper erfahren mußte. Es geht bei diesem Grundsatz: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." immer ganz besonders um den Körper und um das Eigentum des anderen Menschen. Es ist das, was mit dem gebräuchlichen Sprichwort ausgedrückt wird: "Wie du mir, so ich dir." Wir kennen sicherlich auch das geflügelte Wort: "Wiedervergeltung ist keine Sünde." Nach dem Grundsatz: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." wurde nicht nur im Volk Isarel gehandelt, sondern in allen Völkern des Orients. Ja, wenn wir heute das Recht und das Gerichtswesen aller Völker und Staaten betrachten, dann finden wir, daß Recht und Gerechtigkeit auch unter uns nach diesem Grundsatz aufgebaut sind. Der andere Mensch soll dadurch vor meiner Bosheit und Schlechtigkeit geschützt werden. Auch ich soll dadurch vor der Bosheit der anderen geschützt werden. Durch die Drohung: Du wirst in derselben Weise das Leid und den Schaden erleiden, den du einem anderen zugefügt hast, sollen wir gewarnt werden, einem anderen das Böse anzutun, daß wir bereits in unserem Herzen geplant haben. Durch die Angst vor der Strafe sollen wir vor der geplanten Bosheit gegenüber unserem Mitmenschen zurückgehalten werden. Und so lange wir Menschen in dieser unerlösten Welt leben, solange werden das irdische Recht und die menschliche Gerechtigkeit ohne diesen Grundsatz wohl auch nicht auskommen: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Jesus Christus setzt nun diesen Grundsatz für seine Jünger außer Kraft. Der Christ soll für sich selbst darauf verzichten, durch das Gesetz der Wiedervergeltung vor der Bosheit des anderen geschützt zu werden. Wir Christen sind Bürger zweier Welten. Wir leben noch mitten in einer Welt, in der einer des anderen Feind ist, wir sind aber bereits Glieder einer neuen Welt, in der ein anderes Recht herrscht, nicht das Recht der Wiedervergeltung, sondern das Recht der Liebe zum anderen und der Hilfe für ihn. In dieser neuen Welt, zu der wir eigentlich als Christen alle gehören, ist der Mensch also nicht darauf aus, dem anderen zu schaden, sondern zu helfen. Diese neue Welt wird in der vervollkommensten Weise am Ende der Tage durch Jesus Christus Wirklichkeit werden, wenn er endgültig das Reich der Bosheit zerstören wird. Heute ist diese Welt der Liebe trotzdem schon eine Wirklichkeit, und zwar unter Menschen, die die Liebe Jesu Christi erfahren haben und nun anfangen, selbst an ihren Mitmenschen Liebe zu üben. Und diesen Menschen sagt Jesus Christus, für euch gilt das alte Gesetz nicht mehr: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Wir als Christen dürfen jetzt schon inmitten einer bösen Welt nach dem Maßstab des Reiches der Liebe leben. Wir brauchen nicht wiederschlagen, wenn wir geschlagen werden. Wir brauchen niemandem ein Leid zufügen, selbst dem nicht, der uns ein Leid zugefügt hat. Wir brauchen niemanden, der uns Böses angetan hat, vor ein Gericht zu zerren, damit uns eine Wiedervergeltung für den uns zugefügten Schaden zuteil werde. Jesus Christus zeigt das an 3 Beispielen aus der damaligen Zeit: "So jemand dir einen Schlag auf deine rechte Backe gibt, so halte ihm auch noch die andere hin!" Das heißt nichts anderes, als, laß dich lieber schlagen, als daß du dich in deinem Zorn dem Gesetz der alten Welt unterstellst und wiederschlägst. "So jemand dich bis aufs Hemd ausgezogen hat, so wirf ihm auch dein Hemd noch hin!" Du darfst wissen, daß Jesus Christus selbst dir schon das, was du brauchst, zukommen lassen wird, wenn du durch einen Betrüger übers Ohr gehauen wurdest. Du hast es für dich darum eigentlich nicht nötig, großes Geschrei zu machen. "So dich jemand zwingt, durch gesetzliche oder ungesetzliche Mittel etwas für ihn zu tun, dann tue für ihn noch mehr als das, wozu er dich zwingt." Wir merken, wie radikal die Gestze der Liebe im Reiche Jesu Christi sind. Sie sind vollstämdig entgegengesetzt den Gesetzen der alten Welt; auch entgegengesetzt unseren Meinungen und Wünschen, weil wir noch zu sehr der alten bösen Welt angehören. Allerdings dürfen wir auch wissen, daß Jesus Christus uns ganz in seiner Liebe festhält, wenn wir nach dem Gesetz der Liebe handeln und nicht nach dem Gesetz der Wiedervergeltung. Selbst in dem Falle, daß wir schwere Schäden und Nöte erleiden und es so aussieht, daß wir total verrückt wären, weil wir nicht wiederschlagen, brauchen wir nicht zu vergessen: Hinter uns steht der, der im Himmel und Erde und alles in seiner Hand hält: JESUS CHRISTUS. Haben wir ihn, dann haben wir alles zum Leben und zum Sterben. Er, der Herr, hat in seinem ganzen Leben auf dieser Erde nicht nach dem Gesetz der Wiedervergeltung, sondern nach dem Gesetz der Liebe gehandelt; Selbst gegenüber seinen Mördern, die ihn an das Kreuz schlugen. Er hat nicht wiedergeschlagen, als man ihn schlug. Es sah aus, als ob die alte und böse Welt über Jesus Christus und sein Reich der Liebe gesiegt hätte. Aber dann kam der Auferstehungsmorgen. Und seitdem gibt es keinen Zweifel mehr. Im Zusammenbruch dieser alten Welt ersteht neu das Reich der Liebe unserers Herrn Jesus Christus. Nicht die Bosheit wird siegen, sondern die Liebe, die alle Menschen umfaßt. Und nun fordert uns Jesus Christus auf, heute allen Menschen bereits die Realität dieses Reiches der Liebe zu zeigen, und zwar durch unser Tun und Handeln gegenüber den anderen Menschen. Wir dürfen Verkündiger sein, Prediger und Praktiker der frohen Botschaft, dass das Reich der Liebe bereits angefangen hat. In diesem Reich der Liebe hat Hass und Feindschaft und Bosheit und Wiedervergeltung keinen Platz mehr. Wir sind Boten in dieser bösen Welt, Boten des Königs Jesus Christus im Reiche der Liebe. Normalerweise ist der Dienst eines Boten, eines Verkündigers, eines Predigers, immer damit verbunden, daß eine Nachricht, eine Botschaft, mit dem Munde weitergesagt wird. Hier ist jeder Christ zum Boten, zum Verkündiger, zum Prediger und zum Praktiker der Liebe Gottes gerufen, also nicht so sehr durch das Wort oder durch den Mund, sondern vielmehr durch das Tun und Handeln, durch das Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Bei diesem "PREDIGERDIENST" braucht man nicht studiert zu haben, auch braucht man keine besondere Begabung zu besitzen. In der Form, wie Jesus Christus es hier meint, das Evangelium zu bezeugen, das kann jeder tun, der selbst die Liebe Gottes erfahren hat. Das kann jeder von uns tun, der selbst ein Glied im Reiche der Liebe ist, und willig, dem Worte des Herrn zu gehorchen. Das kann und darf und soll jeder Christ, bezeugen, predigen und verkündigen, durch sein Tun und Handeln, daß für ihn der Maßstab dieser Welt nicht gilt: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." auch nicht: "Wie du mir, so ich dir.", sondern der Maßstab der Liebe, dem anderen helfen und fördern in allen seinen Nöten. Indem wir das tun, wenn auch noch in aller Schwachheit, helfen wir mit, daß auch andere glauben, daß auch andere schon jetzt GLieder im Reiche der Liebe werden, in dem Jesus Christus der König und Herr ist.
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