| Bergpredigt (12) | Lugar/Ort:Meroú
Fecha/Datum:02/01/1961 | Otros Lugares/Weitere Predigtorte: Camarero, 14-2-1961 Aldea Protestante, 6-4-1962 Reffino, im November 1963 | | Año Eclesiástico/Kirchenjahr: | | Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Matthäus 7, 1-5 | | |
| Skopus: Nicht richten | | Bergpredigt (12) - Matthäus 7, 1 - 5 "Jesus tat seinen Mund auf, lehrte seine Jünger und sprach: Verurteilt nicht, damit ihr nicht verurteilt werdet. Denn mit dem Urteil, mit dem ihr verurteilt, werdet ihr verurteilt werden, und mit dem Mass, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden. Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders und nimmst nicht den Balken in deinem Auge wahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen? Und siehe, ein Balken steckt in deinem Auge. Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst."
Bevor wir dieses Wort unseres Herrn recht verstehen wollen, müssen wir uns zuerst einmal sagen lassen, wer wir als Christen sind, als Menschen in der Kirche Jesu Christi. Uns ist doch von vornherein klar und deutlich, dass wir als Menschen solche sind, die durch ihr ganzes Leben im Gegensatz zu Gott stehen. Wir führen unser Leben so, als ob es Gott, den Herrn und sein Wort nicht gäbe.Wir tun immer genau das Gegenteil von dem, was Gott von uns erwartet. Bedenken wir in rechter Weise als Menschen unser Leben, dann müssen wir erkennen, dass wir in offener Rebellion gegen den Schöpfer stehen. Das ist schon bei den ersten Menschen so gewesen, und das ist auch heute noch unter uns so: "Das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf." Die Konsequenz, die Gott aus unserem Ungehorsam ziehen müsste, wäre zeitlicher und ewiger Tod, also völlige Vernichtung. Gott, als der unbestechliche Richter über unser Leben kann zu keinem anderen Urteil über uns Menschen kommen als diesem SCHULDIG, SCHULDIG und nochmals SCHULDIG. Aus diesem unserem Schuldigsein .hängt über uns das Gerichtsschwert Gottes: zeitlicher und ewiger Tod; zeitliche und ewige Verdammnis. Das ist Gottes Richt- und Urteilsspruch über uns. Welch eine furchtbare und grausame Zukunft ist das für uns. Aber nun hat unser Gott in seiner ganz grossen Liebe zu uns uns die Möglichkeit gegeben, dass er uns nicht mehr ansieht mit den Augen eines richtenden und verurteilenden und verdammenden Richters, sondern mit den Augen eines liebenden und vergebenden Vaters. Wer wird von Gott mit den Augen eines liebenden und vergebenden Vaters angesehen? Der Mensch, der bei Jesus Christus steht, von dem Jesus Christsu sagt: Dieser gehört zu mir. Er ist mein Diener. Christen sind solche Menschen, die bei Jesus stehen und daher von Gott mit seinen liebenden und vergebenden Vateraugen angesehen werden. Und die christliche Kirche, die christliche Gemeinde, ist eine Schar von Menschen, die Gott nicht richtet und nicht bestraft, sondern liebt und ihnen ihre Bosheit vergibt, weil sie zu Jeus Christus gehören, weil sie bei seinem Sohn stehen. Der Unterschied zwischen einem Ungläubigen und einem Christen besteht also nicht darin, dass der Ungläubige böse ist und darum von Gott bestraft und gerichtet wird und der Christ ein guter Mensch ist und darum von Gott nicht gerichtet wird. Worin besteht nun aber der einzige Unterschied zwischen einem Ungläubigen und einem Christen? Beide sind böse und ungehorsame Menschen, aber der Christ steht auf der Seite Jesu Christi und wird darum von Gott mit seinen liebenden und vergebenden Augen angesehen, wáhrend der Ungläubige von Jesus Christus nichts wissen will und darum der Zorn Gottes von ihm nicht weggenommen wird. Es ist also im letzten Grunde Jeswus Christus, bei dem wir stehen, der Gottes richtenden Zorn in liebende Vergebung verwandelt. Nun sagt uns dieser Jesus Christus heute in seinem Wort, uns, die wir von Gott nicht gerichtet und abgeurteilt werden: Richte du nun auch nicht, nicht deinen Nächsten oder irgend einen anderen: "Richtet ihr auch nicht!" Wie kann ein Mensch, der von Gott seine ganze liebende Vergebung erhalten hat, hingehen und einen anderen verurteilen und richten und Böses über ihn richten?! Wer bei Jesus Christus steht, kann nichts anderes tun als in der selben Weise, wie er Gottes Liebe empfangen hat, auch seinen Mitmenschen in vergebender Liebe begegnen, sei es, wer es auch sein mag? Wer bei Jesus steht, kann über einen anderen nicht zu Gerichte sitzen und Schlechtes und Böses von ihm reden, sondern er kann nur tun, was Martin Luther in seiner Erklärung zum 8. Gebot sagt: "Ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren." "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." Wer trotzdem sich besser dünkt als andere Menschen, wer trotzdem über andere zu Gericht sitzt und über sie Bóses und Schlechtes redet, der muss es wissen, dass er sich damit von Jesus Christus entfernt hat. Und daraus folgt, dass er dann auch von Gott nicht mehr mit liebenden und vergebenden Augen angesehen wird, sondern mit seinem richtenden und zornigen Blick: "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet." Es hängt von euch ab, sagt unser Herr und Heiland Jesus Christus, ob Gott euch weiterhin gut ist, oder ob er euch seinen Zorn spüren lassen wird. Und zwar hängt es eben davon ab, ob ihr euren Mitmenschen Liebe entgegenbringt oder auf sie mit dem Finger zeigt und Böses über sie redet: "Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Mass ihr messt, wird auch euch gemessen werden." Wir denken auch daran, dass wir alle ja böse Menschen, d.h. vor Gott ungehorsame Menschen sind. Wer immer nur das Böse und Schlechte an seinen Mitmenschen sieht, vergisst, dass er ja nicht besser ist als der, über den er schimpft. Es ist also besser für uns, wenn wir nicht auf die Fehler unserer Mitmenschen schauen würden, sondern auf unsere eigenen Fehler und Bosheiten. Wer nämlich bei sich selbst anfangen würde, nach seinen Fehlern und Bosheiten zu suchen, der hätte keine Zeit mehr für die Fehler der anderen Menschen, der würde sich so klein vorkommen, dass er nicht mehr wagen würde, anderen Menschen etwas Böses nachzureden oder die wirklichen Schlechtigkeiten eines anderen in der ganzen Nachbarschaft herumzureden. Das, was wir bei anderen Menschen bemängeln, ist doch meistens nur gering im Gegensatz zu unseren eigenen Bosheiten, die immer gross sind. "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Ziehe am ersten den Balken aus deinem Auge; darnach siehe zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst." Darum ist diese Aufforderung Jesu Christi: "Richtet nicht!", eine Aufforderung an uns, ganz ernst zu machen mit unserem Glauben an Jesus Christus. Wir sollen uns jederzeit darüber klar werden, wer wir sind und wo wir stehen. Wir sind böse Menschen, die aber, weil sie bei Jesus Christus stehen, von Gott nicht gestraft und nicht gerichtet werden, sondern Vergebung erhalten. Als solche Menschen aber können wir nicht anders als unseren Nächsten auch mit liebenden und vergebenden Augen ansehen und nicht mit einem aburteilenden und schlechmachenden Blick. Wer das vergisst, vergisst sein eigenes Heil und fällt von neuem unter die zornige Gerichtshand Gottes. Darum hat uns auch unser Herr gelehrt, im Vaterunser zu beten: "Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern." Und wir kennen alle doch sicherlich das Gleichnis unseres Herrn von dem unbarmherzigen Knecht. In ihm wird uns berichtet, wie ein Mensch dadurch seine grosse Schuld von seinem Herrn nicht gestrichen bekommt, weil dieser Mensch selbst es nicht fertig brachte, einem anderen seine viel geringere Schuld zu vergeben. Das nicht Ansehenkönnen eines anderen Menschen mit liebenden und vergebenden Augen bewirkt, dass Gott uns auch nicht vergibt, sondern sein Gericht auch uns hereinbrechen lässt. Wenn wir das, was unser Herr Jesus Christus uns als Trost und als Mahnung zuruft, noch vielmehr in unserem Leben verachten würden, in unserem persönlichen Leben, im Leben unserer Familien, im Leben unserer Gemeinden, dann wäre unser Zusammenleben nicht so vergiftet und so zerstört, dann könnten wir als fröhliche Menschen miteinander den Weg gehen zur ewigen Seligkeit, dann würden wir uns nicht gegenseitig richten und verurteilen, sondern uns gegenseitig helfen, dass wir ja nicht vom Wege unseres Heiles abirren, damit wir einmal gemeinsam dort ankommen, wo der Vater im Himmel uns mit offenen Armen entgegenkommt. Der Liederdichter Gerhard Tersteegen singt: "1. Kommt Kinder, lasst uns gehen, der Vater gehet mit; er selbst will bei uns stehen, bei jedem sauren Tritt; er will uns machen Mut, mit süssen Sonnenblicken uns locken und erquicken; ach ja, wir habens gut. 2. Kommt Kinder, lasst uns wandern, wir gehen Hand in Hand; eins freuet sich am andern in diesem wilden Land. Kommt Kinder, lasst uns kindlich sein, uns auf dem Weg nicht streiten, die Engel selbst begleiten als Brüder unsere Reihen. 3. Sollt wo eiun Schwacher fehlen, so greif der Stärkere zu; man trag, man helfe allen, man pflanze Lieb und Ruh. Kommt. bindet fester an, ein jeder sei der Kleinste, doch wohl auch gern der Reinste auf unserer Lebensbahn. 4. Es wird nicht lang mehr währen, halt noch ein wenig aus, es wird nicht lang mehr währen, so kommen wir nach Haus: Da wird man ewig ruhen, wenn wir mit allen Frommen daheim zum Vater kommen, wie wohl, wie wohl wirds tun."
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