| Amos 10 | Lugar/Ort:Aldea Protestante
Fecha/Datum:12/11/1959 | Otros Lugares/Weitere Predigtorte: Meroú, 1963 Reffino, 1963 Camarero, 1963 | | Año Eclesiástico/Kirchenjahr:Wochengottesdienst/Bibelstunde | | Libro Bíblico/Buchbezeichnung:Amos 2, 6 - 16 -I- | | |
| Skopus: Die Schuld Israels | | A m o s (10) 2, 6 - 16, 1. Teil Wir haben es sicherlich noch in den Ohren, mit welch einer Begeisterung die Besucher des Tempels zu Beth El die Botschaft des Amos zugehört hatten. Er war der Lieblingsprediger geworden, weil er auf die umliegenden heidnischen Staaten Gottes Zorn und Gottes Gericht herabpredigte. Und wie freuten sie sich, als Amos dann auch noch auf das Brudervolk Juda Gottes Zorn legte. Dieser Amos war ihr Prediger und ihr Prophet. Aber die Besucher des Tempels zu Beth El hatten sich noch nicht die Hände vor Vergnügen zu Ende gerieben =es ist anzunehmen, dass der König selbst im Tempel war=, da tat Amos von neuem seinen Mund auf: "So spricht der Herr: Um drei und vier Frevels willen Israels will ich ihrer nicht schonen." Die Zuhörer werden sich erschrocken angeschaut haben als sie jetzt selbst angesprochen werden. Es ist kein Zweifel, Amos, der Prophet, hat begonnen, Gottes Gericht auch über sie herabzupredigen. Jetzt werden auch ihre Schandtaten einmal aufgedeckt. Ja, sie sind sogar unendlich grösser als die Schandtaten aller heidnischen Völker und des Brudervolks Juda zusammen. Jetzt wird es klar und deutlich, im letzten Grunde geht es garnicht um die anderen, sondern um sie selbst. Wir alle vergessen es auch zu oft und zu leicht, dass es immer in jeder Predigt und in jedem Gottesdienst nicht um den anderen Menschen geht, sondern immer um uns selbst. Und wir merken aus unserem Text, dass die Schandtaten der Bewohner des Nordstaates Israels in einer grösseren Anzahl aufgezählt werden als bei den anderen Völkern. Wenn es hier heisst: "Um drei und 4 Schandtaten willen Israels", dann werden hier auch 4 Schandtaten wirklich mit Namen genannt, während es bei den heidnischen Völkern immer nur um ein Verbrechen ging, und dazu wiegen die Schandtaten der Kinder Gottes doppelt so schwer wie die der Heiden, weil die Kinder Gottes den Willen Gottes kennen, die Heiden aber nicht, oder nur sehr unklar. Was ist es nun, was Amos hier im Auftrage Gottes an Schandtaten bei den Israeliten offen mit Namen nennt? Zuerst nennt er: "Sie kaufen den Richter mit Geld." Es geht hier um eine Rechtsprechung, die man mit Geld kaufen kann. Wer hat das Recht und die Gerechtigkeit uns Menschen gegeben? Gott selbst ist es. Er will, dass jedem das Seine zukommt. Damit das in ordentlicher Weise geschehen kann und dass jemand da ist, der das alles überwacht, hat Gott selbst die Richter eingesetzt. Sie sollen unbestechlich darüber wachen, dass alles ordentlich zugehe. Aber wenn das schon für alle Völker gilt, also auch für die heidnischen Völker, wieviel mehr muss das gelten für ein Volk, das sich Gottes Volk nennt. Stattdessen sind die Richter so bestechlich, dass sie für Geld aus Recht Unrecht und aus Unrecht Recht machen. Und es gibt auch immer Menschen, die bereit sind, durch Geld sich Richter zu kaufen, besonders wenn es darum geht, einen armen Menschen zu betrügen. Damit sind wir schon bei der 2. Schandtat: Man beutet den Armen aus und versucht, ihm auch noch das Letzte wegzunehmen. Der Arme wird bei jeder Gelegenheit betrogen und wenn er sein Recht beim Gericht sucht, dann bekommt er es nicht, weil die Richter mit Geld gekauft worden sind und darum niemals den Armen RECHT geben. Das soll es nicht nur damals gegeben haben. Auch heute soll es Menschen geben, die sich Kinder Gottes nennen und doch hingehen und den Richter bestechen. Die 3. grosse Schuld der Bewohner des Nordstaates Israel war, dass sie, die Gottes Volk sein wollten, dass sie, die in ihrem Tempel den einen und wahren Gott anzubeten vorgaben, die heidnischen Sitten und Gebräuche der Umgebung in ihr Gotteshaus, in ihre Gottesdienste, einliessen. So gab es damals im Heidentum einige Fruchtbarkeitsgöttinen. Ihnen wurden besondere Kammern gebaut. In jedem Tempel einer solchen Fruchtbarkeitsgöttin waren Priesterinnen, denen sich die Männer hingaben, die von der Göttin etwas haben wollten, Wachstum und Gedeihen auf dem Acker oder unter ihrem Vieh oder Kinderreichtum in der Ehe oder Glück und Zufriedenheit und Gesundheit. Und diese götzendienerische Hurerei aus dem Heidentum war auch in den Tempel zu Beth El eingedrungen. In dem Tempel, der doch zur Anbetung Gottes dienen sollte, blühte jetzt auf einmal auch in besonderen Kammern das Geschäft der Tempelhuren. Welch ein Frevel in diesem Tempel, in dem der eine und wahre Gott wohnen sollte, der Gott, der auf seine Heiligkeit eifersüchtig wachte und der in aller Strenge darauf achtete, dass seine Gebote gehalten werden. Das Volk Gottes steht zu allen Zeiten in der Gefahr, das götzendienerische Heidentum bei sich einzulassen. Viele Christen der verschiedensten Konfessionen kommen immer wieder in die Versuchung, da mitzumachen. Um das klarzumachen, was dort in Beth El geschah, brauchen wir nur an den Curanderismus -Braucherei- zu denken, der ja auch bei uns von Zeit zu Zeit aufblüht. Diese Braucherei ist ein schlimmes Stück finsterstes Heidentum. Alle heidnischen Götzenreligionen haben einen Curandero -Braucher- der auch Zauberpriester genannt wird, oder Medizinmann. Hier in Argentinien hat der Curanderismus -die Braucherei- ihre/seine Wurzeln in der Religion der Urbevölkerung. Der Curandero sucht durch allerlei undurchsichtige Praktiken zu heilen, Glück und Wohlbefinden zu geben. Wir sehen ja etwas ähnliches im Spiele, wenn Lastwagen voll Menschen nach Algarrobo zu der Braucherin fahren, übrigens ein Mädchen von 12 Jahren, um von ihr eine Flasche mit gewöhnlicher Spucke als Heilmittel zu bekommen, über die sie ein Kreuz geschlagen hat. Ich bin nicht sicher, ob nicht vielleicht ein Lastwagen voll Menschen aus Aldea Protestante ebenfalls dahin fahren wird. Oder wieviele "hiesige" Kinder (nue sie?) laufen mit einem roten Wollfaden um den Hals oder Arm herum,damit sie gesund oder jedenfalls nicht krank werden? Früher wurde solch ein Faden in Menschenblut oder auch Tierblut getaucht, heute machen es sich die Braucher und Braucherinnen leichter, sie kaufen ihn schon rot im Geschäft oder die Leute fragen schon nicht mehr den Braucher, sondern kaufen sich einen roten Faden bereits selbst, für alle Fälle. Früher machten die Zauberpriester das alles im Namen ihrer Götzen, heute schlagen die Braucher dafúr ein Kreuz. Dadurch aber, dass eine heidnische Sache mit einem Kreuz beschlagen wird, wird sie nicht christlich, genauso wenig wie dadurch, dass die Huren im Nordstaat Israel in den Tempel einzogen, sie ihr Tun als ein gottwohlgefälliges Tun ausgeben können. Ja, ein heidnisches Tun im Namen Jesu oder im Namen Gottes ist noch ein viel grösseres Übel vor den Augen Gottes als das Heidentum selbst. Amos muss hier mit klaren Worten sagen: "Sie entheiligen den heiligen Namen Gottes." Und nun kommen wir zu der 4. Schandtat der Israeliten. Bei den Opfermahlzeiten im Tempel kannten sie kein Mass und kein Ziel, sondern sie frassen und soffen sich voll. Und das Besondere dabei war wieder, dass sie das taten mit dem Vieh und dem Wein, dass sie den Armen durch ungerechte Richter und durch brutale Gewalt und durch Betrug weggenommen hatten. Gott, der Herr, hat viel grössere Freude daran, dass seine Kinder den Armen helfen, jedenfalls nicht betrügen und das Letzte noch wegnehmen als an Tempel-, Opfer- und Kirchenfeste. Gott, der Herr, und Jesus Christus, sein Sohn, werden nicht müde, immer und immer wieder uns darauf hinzuweisen, dass wir etwas für Gott tun können, dass wir dem, der weniger hat, als wir, helfen. Wir haben es heute ja schon bei der Altarlesung gehört, was Jesus Christus gesagt hat: "Was ihr einem der Geringeren getan habt, das habt ihr mir getan, was ihr einem der Geringeren nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan." Das nächste Mal wollen wir die Predigt des Amos weiter hören. Aber wir spüren sicherlich alle den ungeheuren Ernst Gottes, der von dieser Gerichtspredigt über ein Volk geht, das sich Gottes Volk nennt und in Wirklichkeit nichts nach seinem Wort fragt, und sogar heidnischen Götzen, Sitten und Gebräuchen nachfolgt. Dieser Amos wird nun nicht mehr der Lieblingsprediger im Tempel zu Beth El sein.
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